G20-Dialog zur Ressourceneffizienz - Wohlstand mit weniger Ressourcenverschwendung
Gruppenbild, v. l. n. r.: Staatssekretär Jochen Flasbarth; Naomi Tokashiki, Leiterin der japanischen Delegation; Sergio Bergman, Umweltminister Argentiniens

Mobilität steht nicht für sich allein

Der Zusammenhang zur Umwelt macht das Thema erst greifbar und spannend. Mobilität ist zudem einer der wichtigen Faktoren im Klimawandel. MOBILITYMAGAZIN 21 stellt im Gespräch mit Uwe Brendle, Referatsleiter für Umwelt und Verkehr, Elektromobilität im Bundesumweltministerium sechs Fragen und Antworten zur Mobilität der Zukunft.

Mobilität steht nicht für sich allein. Würden Sie dem zustimmen, Herr Brendle?
Umwelt und Mobilität sind eng verknüpft. Der Verkehr in seiner heutigen Gestalt bedeutet für nicht wenige Menschen eine alltägliche Herausforderung: Durch Lärm, Stau, Stress und schlechte Luft. Hinzu kommen ein enormer Flächenbedarf und der Ausstoß von Klimagasen. Umwelt und Verkehr stärker zusammenzudenken ist deswegen ein „Muss“ und eine große Chance. Mehr Umweltqualität bedeutet mehr Lebensqualität.

Welchen Stellenwert müssen wir der MOBILITÄT DER ZUKUNFT unter dieser Betrachtung einräumen?
Viel hängt davon, ob es uns gelingt, die Mobilität in Stadt und Land nachhaltiger zu gestalten. Ein gesundes und lebenswertes Umfeld ist dabei nur ein Aspekt. Von großer Bedeutung ist ebenso, dass die Ideen für die Mobilität der Zukunft bei uns entwickelt und auch umgesetzt werden, und dass die entsprechenden Technologien hierzulande hergestellt werden. Denn daran hängen viele Jobs. Blicken wir nach Kopenhagen, Peking oder London, dann sehen wir, dass Deutschland in mancher Hinsicht nicht zu den Vorreitern zählt – Stichwort Radverkehr oder Elektromobilität. Der Stellenwert, die Mobilität der Zukunft aktiv zu gestalten, kann deswegen kaum überschätzt werden.

Wie definieren wir Umwelt unter diesem Gesichtspunkt?
Umwelt ist zum einen das direkte Lebensumfeld, also das, was wir unmittelbar wahrnehmen und erleben. Bei den meisten ist das bezogen auf Mobilität ihr Haus oder ihre Wohnung, die Straße und das Quartier. Dort passieren viele Wege und von dem Angebot direkt vor Ort hängt auch ab, wie viel oder wie weit wir uns fortbewegen, denken wir beispielsweise an das Vorhandensein (oder Fehlen) von Grün und Erholung, von Einkaufsmöglichkeiten, von Kitas und Schulen, von einer Bahnhaltestelle oder einem guten Radweg. Aber zur Umwelt zählt auch, was wir nicht unmittelbar wahrnehmen, zum Beispiel die Treibhausgasemissionen. Beide Aspekte sind gleichermaßen wichtig.

Wie hoch schätzen Sie den Faktor Mobilität im Klimawandel ein?
Kurz gesagt: Erheblich, und weiter zunehmend. Der Verkehr steht derzeit für rund ein Fünftel der Treibhausgasemissionen. Und er ist der einzige Sektor, in dem die Emissionen zuletzt eher angestiegen als gefallen sind. Die Klimawirkung des Verkehrs wird nicht nur von unserer persönlichen Mobilität bestimmt. Auch in allen Produkten, die wir konsumieren „steckt Verkehr drin“. Viele denken bei Mobilität nur an ihren eigenen Alltag. Aber wir dürfen nicht vergessen, welche Rolle der Güterverkehr spielt und welche Emissionen der Luft- und Seeverkehr verursachen. Gerade diese Bereiche wachsen stark.

Welche Strategien zur Begegnung des Klimawandels hat das Bundesministerium für Umwelt dafür entwickelt?
Grundsätzlich ist wichtig, nicht zu verdammen sondern aufzuzeigen und zu diskutieren, was möglich ist. Mobilität betrifft jeden – egal ob Bürger oder Unternehmerin – und die Mobilität zu beschneiden, das kann nicht unser zentrales Ziel sein. Der Klimaschutzplan 2050 – das ist die zentrale Strategie der Bundesregierung zum Erreichen der Klimaziele – zeigt deswegen für den Verkehr die zentralen Ansätze auf, um Klimaschutz, soziale Teilhabe und Wohlstand zu verbinden. An vielen Stellen sind neue Technologien eine Lösung, vor allem innovative, emissionsfreie Antriebe auf Basis von erneuerbaren Energien. Aber es sind auch alte Bekannte wie der Radverkehr oder die Öffentlichen, zum Teil mit neuen Gesichtern, denken wir an Lastenrad und Elektrobus. Und: Es geht auch darum, die verschiedenen Verkehrsmittel mehr anhand ihrer jeweiligen Stärken zu nutzen und flexibel miteinander zu kombinieren. Das Smartphone ist heute der Schlüssel zu einem bunten Strauß an Verkehrsmitteln. Dieser Mix ist meist nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch günstiger als das private Auto.

Wie kann die breite Bevölkerung in diese Strategie eingebunden werden?

Die Bürgerinnen und Bürger haben oftmals nicht nur ein großes Interesse, sondern auch ein gutes Gespür dafür, wie nachhaltige Mobilität aussehen könnte. Sie erleben ja konkret vor Ort wo der Schuh drückt. Bei der Erarbeitung des Klimaschutzplans 2050 haben wir deshalb einen breit angelegten, mehrstufigen Bürgerdialog ausgerichtet. Daraus sind viele gute Ideen entstanden, die wir aufgreifen konnten. Und: Anders als vielleicht vermutet ist vielen Menschen im Land bewusst, dass wir beim Verkehr mehr tun müssen. Dieser Dialog hat uns deshalb keinesfalls aufgehalten, und er war auch keine lästige Pflicht, sondern die Menschen haben unsere Anliegen an vielen Stellen unterstützt.

Wie betrachtet das BMU das Verhältnis Globalisierung und Mobilität?

Mobilität ist zugleich Treiber und Ergebnis der Globalisierung. Die weltweiten Handelsströme sind Ausdruck einer sich weiter globalisierenden Weltwirtschaft. Der mittlerweile weltumspannende Tourismus spiegelt auf eindrucksvolle Weise die Globalisierung von Freizeit wider. Gestiegene Mobilität und eine gestiegene Bereitschaft, mobil zu sein, findet sich aber auch in Geschäftsbeziehungen oder – im privaten Bereich – in Fernbeziehungen wieder. Aus Umweltsicht beobachten wir, dass sich trotz einer zunehmenden Bewegung zur Regionalisierung keinesfalls abzeichnet, dass die globalen Verkehrsströme weniger werden. Deswegen wird es immer wichtiger, dass sich Umweltpolitik auch um die internationalen Verkehrsträger – also den Luft- und Seeverkehr – kümmert. Das Bundesumweltministerium setzt hier an vielen Punkten an, sei es durch Effizienz- und Emissionsstandards oder durch die Entwicklung klimafreundlicher Antriebe und Kraftstoffe.

Danke für das Gespräch!
Ines Miersch-Süß am 28.8.2018


Mehr Informationen zum Thema unter

http://www.mobil-wandel.de/
https://www.bmu.de/themen/luft-laerm-verkehr/verkehr/