Gruppenbild v. l. n. r.: Jörg Simon, BDEW-Vizepräsident Wasser und Abwasser; Ilka Dege ,Koordinatorin Agrar, Natur- und Tierschutzpolitik beim Deutschen Naturschutzring; Martin Hofstetter, Political Advisor Landwirtschaft bei Greenpeace; Reinhild Benning, Referentin Landwirtschaft und Tierhaltung von Germanwatch; Dr. Dirk Waider, Vizepräsident Wasser und Abwasser des DVGW; Bundesumweltministerin Svenja Schulze; Andreas Kahlert, Sprecher der Bundesfachgruppe Wasserwirtschaft von Verdi; Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe; Paul Kröfges; Bundesarbeitskreis Wasser des BUND; Michael Bender, Leiter Bundeskontaktstelle Wasser der Grünen Liga; Dr. Christine Toelle-Nolting, Referentin Agrarpolitik und ländliche Räume des NABU

Bundesumweltministerin beim Praktiker Dialog "Klimaschutz und Klimaanpassung in der Landwirtschaft"

Am 20. August führte Bundesumweltministerin Svenja Schulze ein Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern von mehreren Verbänden über eine gewässer- und umweltverträgliche Agrarwirtschaft.

Anlässlich der aktuellen Dürrefolgen für die Landwirtschaft trifft Bundesumweltministerin Svenja Schulze Landwirte, um aktuelle Erfordernisse durch den fortschreitenden Klimawandel zu diskutieren. Die Zunahme von Extremwettereignissen wie längere Trockenperioden oder starke Niederschläge fordern die Landwirtschaft besonders heraus. Gleichzeitig bietet die mögliche längere Vegetationsperiode – die Klimamodelle gehen für Deutschland zukünftig von wärmeren, trockeneren Sommern und kürzeren, wärmeren Wintern aus – auch neue Chancen für den Pflanzenanbau. Außerdem gilt der Sektor wegen seines guten Ausbildungs- und Organisationstandes als besonders gut anpassungsfähig.

Svenja Schulze: "Dieser Sommer hat neue Temperaturrekorde und ein neues Ausmaß an Trockenheit gebracht. Besonders die Landwirtschaft ist davon betroffen. Deshalb müssen wir auch Sofortmaßnahmen zur Bewältigung der Krise prüfen. Gleichzeitig gilt es jetzt umso mehr, Agrarförderung so umzugestalten, dass nachhaltiges Wirtschaften und die Anpassung an den Klimawandel finanziell gefördert wird. Nur so machen wir landwirtschaftliche Betriebe langfristig krisenfester und erreichen gleichzeitig unsere Ziele im Umwelt-, Natur- und Klimaschutz."

Bei dem Treffen wird die praktische Umsetzung möglicher Klimaanpassungsmaßnahmen diskutiert, wie eine standortgerechte Bewirtschaftung, eine größere Kulturvielfalt bei der Pflanzenauswahl, eine vielfältige und weite Fruchtfolge, zum Beispiel von Pflanzen, die mehr und weniger Nährstoffe brauchen. Erörtert wird auch, inwieweit der Viehbestand an die örtlich verfügbaren Futtergrundlagen angepasst werden muss. Dies kann die ökonomische Widerstandskraft der Betriebe gegen Extremwetterlagen verstärken.

Ein wichtiges Thema ist außerdem der Beitrag der Forschung für ökologisch angepasste Sorten, die bei verschiedenen Witterungen besser überstehen. Die klassische und ökologische Pflanzenzüchtung bietet hier nach wie vor Potential. Der Praktikerdialog geht auch auf die Klimaziele der Landwirtschaft ein. Die Branche soll bis 2030 31 bis 34 Prozent Treibhausgase weniger als 1990 ausstoßen. Die davor vorgesehenen Maßnahmen wird die Bundesregierung im Maßnahmenprogramm zum Klimaschutzplan im Frühjahr 2019 vorlegen.

Svenja Schulze zu Hilfen für von der Dürre bedrohte Landwirte

Zu dem am 22. August im Bundeskabinett besprochenen Vorgehen zu Hilfen für von der Dürre bedrohte Landwirte erklärt Bundesumweltministerin Svenja Schulze:

"Es ist gut, dass wir heute im Kabinett Hilfen für Landwirte vereinbart haben, die durch die Dürre besonders hart betroffen sind. Mir war es wichtig, dass wir nicht nach dem Gießkannenprinzip vorgehen. Wir konzentrieren unsere Hilfen gezielt auf die Landwirtinnen und Landwirte, die durch die Dürre tatsächlich in eine Notsituation geraten sind. Das ist der richtige Ansatz beim Umgang mit Steuergeld. Perspektivisch sind kurzfristige Finanzhilfen aber keine Lösung des Problems. Die Landwirtschaft muss sich in Deutschland grundsätzlich auf häufigere Extremwetterlagen einstellen – seien es Trockenzeiten wie jetzt oder langanhaltende Regenperioden wie im letzten Jahr. Das sollte sie aus eigenem Interesse tun, das ist aber auch im langfristigen Interesse der Steuerzahler.

Darum müssen wir auch unsere Agrar-Förderpolitik umstellen und das Geld lieber in die Prävention stecken, statt in Zukunft immer wieder über Nothilfen sprechen zu müssen. Die Landwirtschaft muss robuster gegenüber Klimaveränderungen werden und sie muss selbst klimaverträglicher wirtschaften und sorgsamer mit Böden, Wasser, Luft und Natur umgehen. Diese Neuausrichtung der Landwirtschaft muss künftig im Mittelpunkt der Europäischen Agrarförderung stehen.

Der Vorschlag der EU-Kommission zur Reform der EU-Agrarförderung geht derzeit genau in die falsche Richtung, weil er zu viel Gießkannenprinzip vorsieht und zugleich Mittel für eine umweltschonende Landwirtschaft kürzt. Wir müssen uns deshalb als Bundesregierung darauf verständigen und dann in Brüssel dafür einsetzen, dass mehr Mittel verbindlich in eine umweltfreundliche und nachhaltige Landwirtschaft fließen. Denn das macht die Landwirtschaft auch widerstandsfähiger gegen den Klimawandel.

Auf nationaler Ebene schlage ich die Einrichtung eines Sonderrahmenplans "Klimaanpassung und nachhaltige Landwirtschaft" im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz vor."

Quelle  https://www.bmu.de/dialog-umwelt-landwirtschaft/